Wie hat meine Reise begonnen?

Es war ein Freitagabend. Feierabend. Wir haben alle getrunken, sind ausgegangen, hatten Spaß. Doch hatte ich wirklich Spaß?

Oder habe ich mich von Minute zu Minute unwohler gefühlt, nicht dazugehörig.

Ich hatte keine Lust noch mehr zu trinken. Ich wusste, dass der nächste Schnaps mich nur sentimental macht. Ich wusste, dass ich keine Lust hatte mit den Leuten um mich herum zu reden. Tanzen….hm ja, vielleicht. Aber nicht zu dieser grässlichen Schlagermusik.

Mit jeder Minute ist dieses Unwohlsein gestiegen bis alles in mir geschrien hat, dass ich hier raus muss. Und dann bin ich gegangen, gerannt. Einfach nur nach Hause. In die Stille. Auf dem Weg konnte ich kaum atmen. Ich habe gemerkt, dass Tränen in mir hochsteigen. Bitte fang nicht in der Bahn an zu heulen, sagte ich mir den ganzen Nachhauseweg.

Zu Hause angekommen flossen die Tränen aus mir raus. Ich lasse mich fallen: Emotional und auf meinen Teppich, der wie ein warmer, sicherer Anker wirkt. Einfach nur auf der Erde liegen und spüren. So viel spüren. Was da alles hochkam? Anfangs wusste ich es nicht. Dann kam die Trauer um meinen verstorbenen Opa. Und dann kam nichts. Dann lag ich einfach nur auf diesem Teppich. Freitagabend. Kein Tanzen, kein Ausgehen. Einfach nur da liegen und spüren.

War das der Anfang meiner Reise? Ja und Nein. Ja, denn es ist rückblickend der Moment, in dem ich ganz tief in mir drin begriffen habe, dass sich etwas ändern muss (ich hatte nur keine Ahnung was und wie). Nein, weil es dann immer noch drei Monate gedauert hat bis ich wirklich ins Handeln kam und mich 2 Wochen nach dieser Teppich Aktion wieder heulend auf dem Teppich fand. Nur dass es diesmal ein Samstag Abend war. Und auch deswegen nein, weil sich vorher schon ganz leichte Veränderungs- und Loslass Prozesse in mir gezeigt haben. Ich habe sie jedoch einfach ignoriert. Ignorieren und verdrängen kann ich übrigens ganz gut. Ich kann euch nur eins direkt sagen: Das bringt rein gar nichts.

Wie war mein Leben bis dahin? Normal. Gut. Sogar in weiten Teilen echt richtig toll. Ich habe keine außergewöhnliche Geschichte zu erzählen. Ich bin behütet aufgewachsen, mit 7 Jahren zum ersten Mal umgezogen (in eine andere Stadt). Ich habe Eltern, die mich lieben und die beste Schwester, die man sich vorstellen kann. Ich habe tolle Freunde, nah und fern. Nach dem Abi habe ich studiert – im In-und Ausland. Danach erster Job. Job mäßig bin ich eine Werbe/Mediaagentur Kind. Ich arbeite gerne und viel. Ich bin sehr oft in meinem Leben umgezogen. Freundschaften haben sich geändert. Beziehungen kamen und gingen, sehr langfristig war ich da nie unterwegs. Ich entdecke gerne neue Orte, reise für mein Leben gern. Ich bin das, was man vielleicht einen extrovertierten Introvertierten nennt. Ich treibe gerne und relativ viel Sport. Lese gerne. Und liebe das Meer und die Sonne. Also alles ganz normal.

Und doch habe ich das Gefühl, dass das nicht alles ist. Dass da mehr ist im Leben. Um aber das Mehr zu bekommen, musste ich erst verstehen, dass ich vieles Loslassen muss. Dass ich Ängste in mir trage, die immer wieder weh tun und von denen ich manchmal gar nicht weiß, woher sie kommen. Ich verstand, dass ich wieder beginnen muss mir selbst zu vertrauen, mir meiner Fähigkeiten bewusst zu werden. Ein Schlüsselpunkt: Ich muss meine Intuition wiederfinden, die ich vor allem im Berufsleben verdrängt habe, weil ich dachte sie gehört da nicht hin und ich müsse vor allem tough sein (heute weiß ich, dass das Schwachsinn ist).

Ein großer Schritt in die Richtung war das Online Coaching von der Bloggerin Kristin Woltmann Anfang des Jahres. Durch dieses Programm habe ich mich zum ersten Mal mit Themen wie Glaubenssätze und Selbstliebe beschäftigt. Bis dahin dachte ich immer, mich betrifft so was nicht. Mir geht es gut. Bleib mir weg mit solchen “Ratgebern”. Das ist was für frustrierte Frauen, die keine Freunde haben und im Leben nicht klar kommen.

Falsch gedacht. Es hat mir so viele neue Wege geöffnet. Neue Gedankengänge und neue Sichtweisen zugelassen und eine Tür geöffnet hinter der einfach so wahnsinnig viel Potenzial steckt. Ich habe angefangen mich mit mir selbst auseinanderzusetzen. Was nicht immer schön war. Ich habe angefangen mich mit meinem Umfeld auseinanderzusetzen, was teilweise noch weniger schön war, denn ich begriff, dass ich einiges loslassen muss um voranzukommen. Und loslassen ist nun wirklich nicht meine Stärke. Im Gegenteil. Es fällt mir sehr schwer, denn ich glaube immer an das Gute im Menschen und in jeder Situation. Aber ich bin nicht hier um auszuhalten, sondern um zu leben und um mein Potenzial voll auszuschöpfen.

Und ganz langsam kamen neue, alte Ideen in meinen Kopf. Ich wurde wieder kreativer (wann genau ist das vom Kindesalter bis jetzt bitte verloren gegangen?) und vor allem habe ich ganz langsam wieder begonnen auf meine Intuition zu vertrauen. Und jeder kleine intuitive Schritt tut einfach gut. Was nicht heißt, dass das Ego, diese fürchterlich meckernde, pessimistische, angstvolle Stimme im Kopf nicht mehr da ist. Oh nein, Egon meldet sich zwischendurch ganz gerne. Und manchmal braucht es auch lange  bis ich ihn loswerde. Aber immer wenn ich ihn loswerde, komme ich ein Stück weiter und es macht sich ein Gefühl von Vertrauen und Glück breit.

Und für dieses Gefühl allein lohnt es sich den Weg zu gehen und sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Sich selbst und seinen Fähigkeiten bewusst zu werden und ein Vertrauen in mir zu erschaffen, dass alles gut ist. Dass alles schon in uns liegt.

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